Kritik an der „Leitlinie Legasthenie“

Vor kurzem veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie ihre “Leitlinie Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung”.
Während manche sich nun eine höhere Klarheit und Sicherheit bei Diagnose- und Förderkriterien erwarten, gibt es andererseits massive Kritik am Sinn und an der Ausrichtung dieser medizinisch orientierten Leitlinie. Hier einige Auszüge:

  • “Die in der Leitlinie vorgestellte Diagnostik schadet mehr, als sie hilft. Kinder, die zum Testzeitpunk nicht den Kriterien entsprechen, werden allein gelassen. Wir sollten vielmehr die individuellen Probleme beim Lesen und Rechtschreiben möglichst genau erfassen, um alle betroffenen Kinder angemessen fördern zu können.”(Prof. Renate Valtin)
  • “Eine medizinische Diagnose reduziert das Phänomen Lese- und Rechtschreib– Schwierigkeiten auf eine Krankheit oder Störung innerhalb des Kindes.”(Dr. Britta Büchner)
  • “Die in den Leitlinien medizinisch verstandenen ‘Störungen’ werden an verschiedenen Stellen unterschiedlich und damit unscharf definiert. Die Annahme einer solchen Untergruppe ist aber auch grundsätzlich problematisch.” (Prof. Hans Brügelmann)
  • “Einen Notenschutz und die Möglichkeit zu einer Förderung bei Lese- oder Rechtschreibschwierigkeiten bekommen nur Kinder, die eine auf einer Momentaufnahme beruhende ‘medizinische Diagnose” erhalten’.” (Dr. David Gerlach)

Im Interesse der betroffenen Kinder gilt es daher im Sinne einer pädagogischen Förderdiagnostik die individuellen Probleme und Ursachen beim Lesen und/oder Rechtschreiben zu erfassen und die Kinder entsprechend zu unterstützen und zu fördern. Dies leistet die “Leitlinie Legasthenie” nicht.

Lesen Sie bitte die ausführlichen Stellungnahmen: