Beim Lesenlernen helfen keine Kernspinuntersuchungen

Statt Geld in den Anfangsunterricht zu investieren, damit alle Kinder einen gelungenen Zugang zur Schriftsprache bekommen, ist es für die Presse und wohl auch die Politik viel spannender, über teure exotische Experimente von Hirnforschern  zu berichten, um zu zeigen, dass auch indische Analphabetinnen lesen lernen können.Lesenlernen braucht keine Hirnscans und ist auch nicht mit visuellem Training zu lösen, wie die FAZ am 21.6.17 ihren Lesern anpreist (faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/studie-ueber-analphabetismus-hilft-visuelles-training-15068206) Die Tatsache, dass bei uns immer noch viel zu viele Menschen nicht erfolgreich lesen und schreiben lernen, liegt aber an der fehlenden Wertschätzung des schulischen Anfangsunterrichts und seiner finanziellen und zeitlichen Ausstattung. Und immer noch fehlen vielerorts “Lehrkräfte, die über die sprachwissenschaftlichen Grundlagen, methodisch-didaktisches Know-how und das notwendige Maß an Verständnis, Zeit, Geduld und Liebe für das einzelne Kind verfügen”.(Naegele 2017,S.52).