Ohne Schreibschrift verlernen Kinder das Denken nicht!

Es ist schon sehr bemerkenswert, welche Aufmerksamkeit die Handschrift neuerdings in der Öffentlichkeit erfährt: “Handschrift ist ein Denkwerkzeug” (Die Welt 31.7.17), “Schlecht für den Intellekt” (Frankfurter Allg. Sonntagszeitung 20.8.17), sogar ein 301 Seiten dickes Taschenbuch widmet sich dem Thema “Wer nicht schreibt, bleibt dumm. Warum unsere Kinder ohne Handschrift das Denken verlernen”(Schulze Brüning/Claus 2019).  Was heißt das im Umkehrschluss für all die Kinder in den Ländern, in denen Druckbuchstaben die primäre Handschrift darstellen, wie z.B. die USA, Finnland, Kanada u.a.? Was soll die Polemik und Überhöhung der Handschrift bringen?

Viel wichtiger als sich auf eine bestimmte verbundene Ausgangsschrift zu konzentrieren, ist es, dass den Kindern frühzeitig in der Schule eine unverkrampfte, druckfreie Stifthaltung vermittelt wird und der Bewegungsablauf der einzelnen Buchstaben sachgerecht eingeübt wird, wie auf dem unten abgebildeten Foto.


“Schludrige Handschriften” von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten spiegeln oft den Seelenzustand und die negativen Gefühle wider, die mit der ungeliebten Tätigkeit Schreiben verbunden sind.  Keineswegs nützt hier ein isoliertes Handschrifttraining. Die mit der Schrift ausgedrückten Probleme erfordern genaue Analysen und individuelle Hilfen. Aber dazu muss man sich halt intensiv mit dem Schriftspracherwerb auseinandersetzen!