Quereinsteiger in Grundschulen–eine Katastrophe mit Langzeitfolgen!

Es ist schon schlimm genug, dass immer noch ausgebildete Grundschullehrkräfte fachliche Defizite in den Kernkompetenzen Schriftsprache und Mathematik haben, was sich in der großen Zahl von Kindern mit Lernproblemen in den Schulen und in den unbefriedigenden Ergebnissen der Bildungsstudien zeigt.
Umso bedenklicher ist es, wie die Kultusbehörden aller Bundesländer (nachzulesen auf der Website des deutschen Bildungsservers) ihre Versäumnisse in der Bedarfsplanung von Lehrkräften kaschieren und Quereinsteiger ohne pädagogische und didaktische Ausbildung, geschweige denn Lehramtsstudium, suchen und einstellen. Internetportale wie karriere.de werben damit, dass gerade Quereinsteiger zur Zeit beste Chancen auf Beamtenstatus und lange Ferien (haben).
Es will nicht in die Köpfe der Verantwortlichen in Politik und Kultusbehörden, dass die Basis allen Schulerfolgs im Anfangsunterricht gelegt wird, wo Kinder mit höchst unterschiedlichen individuellen Lernvoraussetzungen gezielt gefördert werden müssen und große fachliche Anforderungen an die Lehrkräfte gestellt sind.
Lesen, richtig schreiben und rechnen lehren müssen Aufgaben von dafür Ausgebildeten sein und dürfen nicht Fachfremden überlassen werden.
Hier ein Zitat eines Jungen, dem zum Glück außerhalb der Schule geholfen wurde:

Versäumnissein der Grundschule können katastrophale Auswirkungen auf das Leben von Kindern haben bis hin zu extremen Verhaltensauffälligkeiten. Welche Maßnahmen vorbeugen bzw. Lernerfolge sichern können, finden Lehrkräfte u.a. auf der Website www.legakids.net sowie in den beiden 2014 bei Beltz erschienenen Fachbüchern von Ingrid M. Naegele, Praxisbuch LRS und Klaus R. Zimmermann: Rechenschwierigkeiten erkennen und bewältigen. Der Erfolg der folgenden Elternratgeber lässt vermuten, dass leider viele Eltern bei den Lehrkräften ihres Kindes die nötigen Qualifikationen vermissen:
Naegele: Schulerfolg trotz LRS. Wie Eltern vorbeugen und gezielt fördern können und Zimmermann: Jedes Kind kann rechnen lernen – trotz Rechenschwäche/ Dyskalkulie. Beltz, Weinheim 2017 und 2018

Mathe-Bestseller neu aufgelegt und erweitert

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 Der Elternratgeber „Jedes Kind kann rechnen lernen trotz Rechenschwäche /Dyskalkulie“ ist vor kurzem in neuer Aufmachung erschienen. Das Buch wurde aktualisiert und um Hilfen zum Verständnis der schriftlichen Multiplikation und Division erweitert. Dieser Bereich macht vielen Kindern (und Eltern) Probleme. Fallbeispiele zu den einzelnen Themen konkretisieren die mathematischen Fragestellungen.

 

 

Was sind Eure Lieblingsspiele?

Wir beide sammeln Familienspiele. Schickt uns Eure 3 Lieblingsspiele, die Ihr mit Euren Eltern gespielt habt oder gern gespielt hättet, am besten in die Kommentare.

Lilli und ich sammeln weiterhin Spiele, die gemeinsam mit Eltern, Großeltern oder Freunden gespielt werden können. Ziel ist eine Sammlung ohne Einbezug der Social Media und Computer-/Konsolenspiele. Schickt uns Eure 3 Lieblingsspiele, am besten per E-Mail (unter abcnetzwerk@gmail.com) oder via Facebook.

Danke im Voraus. Wir geben Rückmeldung!

Ohne Schreibschrift verlernen Kinder das Denken nicht!

Es ist schon sehr bemerkenswert, welche Aufmerksamkeit die Handschrift neuerdings in der Öffentlichkeit erfährt: “Handschrift ist ein Denkwerkzeug” (Die Welt 31.7.17), “Schlecht für den Intellekt” (Frankfurter Allg. Sonntagszeitung 20.8.17). Was heißt das im Umkehrschluss für all die Kinder in den Ländern, in denen Druckbuchstaben die primäre Handschrift darstellen, wie z.B. die USA, Finnland, Kanada u.a.?

Viel wichtiger als sich auf eine bestimmte verbundene Ausgangsschrift zu konzentrieren, kommt es darauf an, dass den Kindern frühzeitig in der Schule eine druckfreie Stifthaltung vermittelt wird und der Bewegungsablauf der einzelnen Buchstaben sachgerecht eingeübt wird, wie auf dem unten abgebildeten Foto.


“Schludrige Handschriften” von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten spiegeln oft den Seelenzustand und die negativen Gefühle wider, die mit der ungeliebten Tätigkeit Schreiben verbunden sind.  Keineswegs nützt hier ein isoliertes Schönschreibtraining, sondern die mit der Schrift ausgedrückten Probleme erfordern genaue Analysen und individuelle Hilfen. Aber dazu muss man sich halt intensiv mit dem Schriftspracherwerb auseinandersetzen!

Neuer Elternratgeber: Schulerfolg trotz LRS

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Der neue Elternratgeber zu Lese-Rechtschreibschwierigkeiten trifft auf große Resonanz und findet viele positive Rückmeldungen. Hier eine kleine Auswahl:

“Ihr Buch ist das Beste, was ich bislang zum Thema LRS gelesen habe, und ich finde Ihre vielen Hinweise sehr wertvoll.” Dr. S. Eichholz, Frankfurt

Der neue Ratgeber gefällt mir sehr gut. Er ist übersichtlich und fundiert.Viele wertvolle Tipps für Eltern, Kinder und Jugendliiche rund um die Thematik für alle Altersstufen. Da ist für jede/n etwas Wissenswertes und Interessantes zu finden. Die vielen Original-Kindertexte zeigen die ganz unterschiedliche Befindichkeit von Kindern mit LRS und welche konkreten Maßnahmen ihnen geholfen haben. Die Downloads können Eltern problemlos einsetzen. Mal wieder ein sehrgelungenes Buch von Ingrid Naegele” M.W., Hessische Grundschulrektorin

“Ein ebenso liebevolles wie engagiertes, gut verständliche und hilfreiches Angebot nicht nur für Eltern zur Vorbeugung und zur gezielten Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten.” M.Kortländer im LRS-Blog von alphaPROF und Legakids

Weitere Rezensionen finden sich auf Amazon und buch.de.

Beim Lesenlernen helfen keine Kernspinuntersuchungen

Statt Geld in den Anfangsunterricht zu investieren, damit alle Kinder einen gelungenen Zugang zur Schriftsprache bekommen, ist es für die Presse und wohl auch die Politik viel spannender, über teure exotische Experimente von Hirnforschern  zu berichten, um zu zeigen, dass auch indische Analphabetinnen lesen lernen können.Lesenlernen braucht keine Hirnscans und ist auch nicht mit visuellem Training zu lösen, wie die FAZ am 21.6.17 ihren Lesern anpreist (faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/studie-ueber-analphabetismus-hilft-visuelles-training-15068206) Die Tatsache, dass bei uns immer noch viel zu viele Menschen nicht erfolgreich lesen und schreiben lernen, liegt aber an der fehlenden Wertschätzung des schulischen Anfangsunterrichts und seiner finanziellen und zeitlichen Ausstattung. Und immer noch fehlen vielerorts “Lehrkräfte, die über die sprachwissenschaftlichen Grundlagen, methodisch-didaktisches Know-how und das notwendige Maß an Verständnis, Zeit, Geduld und Liebe für das einzelne Kind verfügen”.(Naegele 2017,S.52).

Eltern passt auf!

Es ist eine Schande, dass es in der neuerlichen Diskussion um fehlende Lehrkräfte in den Grundschulen nur um Zahlen und um voraussichtlich steigende finanzielle Belastungen der Länderministerien geht, nicht aber um die dringend notwendige Verbesserung der schuischen Infrastruktur sowie die Qualifizierung der in den Grundschulen tätigen Lehrkräfte. Allein die Idee, Gymnasiall- und Hauptschulehrkräfte oder gar Quereinsteiger für fit zu halten, Kindern den Einstieg in die Grundlagen des Lernens zu gewährleisten, ist pervers. Da langt auch nicht ein Kurzkurs! Bereits jetzt versagen viel zu viele Kinder, weil unser deutsches Schulsystem nicht in der Lage ist, den Anfangsunterricht in der Grundschule, also das Fundament der Bildung, inhaltlich und personell so zu verbessern, dass alle Kinder einen positiven Zugang erhalten. Eltern müssen wachsam sein und sich für die Verbesserung der Situation ihrer Kinder engagieren. Jetzt vor der Bundestagswahl ist ein guter Zeitpunkt, sich laut für einen verbesserten Anfangsunterricht einzusetzen!

Kann ein Hirn-Scan LRS vor Schulbeginn anzeigen?

Das Team von Legakids und alphaPROF hat sich mit dieser Nachricht im folgenden Kommentar kritisch auseinandergesetzt, der man in den letzten Wochen in zahlreichen Presseportalen und Veröffentlichungen begegnet ist. Es wird behauptet: Ein Hirn-Scan kann eine Lese-Rechtschreib-Schwäche zeigen, schon bevor ein Kind überhaupt lesen und schreiben lernt? Was verbirgt sich dahinter? Und was sind die Konsequenzen?

Ergebnisse klassifizieren LRS/”Legasthenie” nicht als Krankheit

Die beteiligten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig beschreiben ihre Befunde als eine Variation der plastischen Ausformung des Gehirns, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen genetischen Hintergrund habe. Diese Variation könne in der Folge zur Manifestation von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten im Sinne einer “disorder” (also Schwäche oder Störung) beitragen.

Folgerungen aus den Ergebnissen

Die Forscher schlagen vor, alle Vorschulkinder einem MRT zu unterziehen, um so Kinder zu erkennen, die gefährdet seien. Damit, so meinen sie, könnten diese schon vor möglichen frustrierenden Erfahrungen in der Schulzeit gefördert und auf den Schuleintritt vorbereitet werden.

Gleichzeitig weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass ihre Ergebnisse allein LRS nicht erklären können, sondern nur in Ergänzung mit anderen Forschungsergebnissen sinnvoll seien. Um das Zustandekommen von LRS zu verstehen, müssten auch umgebende Variablen mit einfließen.

Kritische Überlegungen zum “Hirn-Scan”

Früherkennung klingt zunächst positiv, jedoch sollten auch mögliche negative Folgen einer solchen „Reihenuntersuchung“ berücksichtigt werden:

  • Das MRT des Gehirns ist eine aufwändige, belastende sowie kostenintensive Untersuchung.
  • Mit dem MRT würden nur bestimmte Kinder als “Risikokinder” erkannt. Andere Kinder, deren LRS nicht durch eine besondere Hirnstruktur bzw. -aktivität erklärt werden kann, könnten übersehen werden, da das Screening Eltern, Erzieher und Lehrkräfte in einer falschen Sicherheit wiegen würde.
  • Die Feststellung einer „abweichenden“ Hirnstruktur würde das Selbst- und Fremdbild der betroffenen Kinder negativ beeinflussen und könnte daher im Sinne einer „self-fulfilling prophecy“ wirken.

Fokus auf Bildungsstrukturen

Es stellt sich deshalb die Frage, ob Kosten und Aufwand für ein solches breit angelegtes medizinisches Screening sinnvoll sind.

Was könnten Maßnahmen sein, die wirklich allen Kindern nützen, die ein Risiko haben LRS zu entwickeln?

  • Kindergärten, in denen von gut ausgebildeten (und ebenso gut bezahlten) Erzieherinnen und Erziehern Sprachbewusstheit kompetent angebahnt wird.
  • Schulen, in denen Lehrkräfte mit solidem Wissen über die Hürden des Schriftspracherwerbs und die entsprechende Förderung arbeiten …
  • … und zwar in kleineren Klassen und – wo nötig – mit der Unterstützung spezialisierter Fachkräfte in der Schule.

Denn: Wie die Forscher auch selbst anmerken, reicht das Erkennen allein nicht aus. Aus der Praxis kennen wir zahlreiche Verläufe, in denen sich frustrierende Lernerfahrungen in einer generalisierten Misserfolgsorientierung verselbständigen. Dies führt zu Vermeidungsverhalten der Lernenden und behindert die betroffenen Kinder und Jugendlichen beim (richtigen) Lesen und Schreiben mindestens ebenso stark wie etwaige entwicklungsneurologische Besonderheiten, die Ursache der ersten frustrierenden Erfahrungen gewesen sein mögen.

Ergebnisse, Stichprobe und Aussagekraft bzw. -genauigkeit

Das Wissenschaftlerteam um Michael A. Skeide machte MRT-Aufnahmen der Gehirne von Kindern in den Klassen 4 bis 8 sowie von Kindern im Kindergarten bis Klasse 1. Sie entdeckten dabei, dass Kinder mit einer bestimmten Variante des Gens NRSN1 – einem Gen, das für die Entwicklung der Nervenzellen wichtig sei – strukturelle Unterschiede in einer Hirnregion aufwiesen, die als “Visual Word Form Area” (VWFA) bezeichnet werde. Dieser funktionale Bereich des Gehirns ist wahrscheinlich für das Erkennen bestimmter Objektformen wie auch von Buchstaben bzw. Wortbildern zuständig.

Die Stichprobe der Untersuchung war dabei mit 141 Kindern relativ klein, wie die Forscher selbst anmerken (vgl. Skeide et al., 2016). In der Gruppe der Vorschulkinder, die bis zum Ende der 1. Klasse begleitet wurden, befanden sich sogar nur 20 Kinder. Die “Trefferquote” der MRT-Untersuchung lag bei 75 %, d.h. es gab auch Kinder mit einer auffälligen Ausformung der untersuchten Gehirnareale, die am Ende der 1. Klasse keine LRS aufwiesen. Bzw. gibt es eben auch Kinder, deren MRT nicht die untersuchte Besonderheit aufweist, die dennoch LRS entwickeln.

Schlussbemerkung

Es ist immer wieder frustrierend zu erleben, welchen Anklang und Nachhall Meldungen aus dem medizinischen Bereich bzgl. LRS/Legasthenie erzeugen. Sie wirken in ihrer Schlichtheit auf Anhieb einleuchtend, erhellend oder sogar bahnbrechend. Dass sich daraus keinerlei Konsequenzen für die Förderung der betroffenen Kinder, ihre psychische Gesundheit und ihren Bildungsweg ergeben, wird selten deutlich.

Meldungen zu guten pädagogischen Fördermethoden oder zu längst überfälligen Verbesserungen im Bildungssystem wie etwa kleineren Klassen, besser ausgebildeten Lehrkräften und der Einbindung des Know-Hows außerschulischer Förderkräfte (deren Effektivität im übrigen seit Jahrzehnten durch zahlreiche Untersuchungen belegt ist), erzeugen dagegen keinerlei mediales Echo.

Leseschwäche ist kein genetischer, sondern gesellschaftlicher Defekt

Presseerklärung der LegaKIds-Stiftung zum Weltkindertag der Vereinten Nationen

– Wer nicht oder nur schlecht lesen kann, bleibt in unserer Gesellschaft vom Leben weitgehend ausgeschlossen. Alle Arten an Informationen werden schriftlich vermittelt – Wissen ebenso wie Unterhaltsames, die Inhaltsstoffe auf Lebensmittelverpackungen oder die Nebenwirkungen von Medikamenten auf Beipackzetteln. Deshalb ist es unumgänglich, dass Kinder, die sich mit dem Lesen und Schreiben schwer tun, gefördert werden. „Wenn aber Kinder, die sich mit dem Lesen schwerer tun als andere, durch die Diagnose „Legasthenie“ zu Patienten gemacht werden, verlieren sie ihr Recht auf Lesen“, sagt
Britta Büchner, Lerntherapeutin und Leiterin des Projektes LegaKids.net. Sie übt anlässlich des Weltkindertages Kritik am praktizierten klinisch-medizinischen Fokus.

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