Spielideen gesucht

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Ohne Schreibschrift verlernen Kinder das Denken nicht!

Es ist schon sehr bemerkenswert, welche Aufmerksamkeit die Handschrift neuerdings in der Öffentlichkeit erfährt: “Handschrift ist ein Denkwerkzeug” (Die Welt 31.7.17), “Schlecht für den Intellekt” (Frankfurter Allg. Sonntagszeitung 20.8.17). Was heißt das im Umkehrschluss für all die Kinder in den Ländern, in denen Druckbuchstaben die primäre Handschrift darstellen, wie z.B. die USA, Finnland, Kanada u.a.?

Viel wichtiger als sich auf eine bestimmte verbundene Ausgangsschrift zu konzentrieren, kommt es darauf an, dass den Kindern frühzeitig in der Schule eine druckfreie Stifthaltung vermittelt wird und der Bewegungsablauf der einzelnen Buchstaben sachgerecht eingeübt wird, wie auf dem unten abgebildeten Foto.


“Schludrige Handschriften” von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten spiegeln oft den Seelenzustand und die negativen Gefühle wider, die mit der ungeliebten Tätigkeit Schreiben verbunden sind.  Keineswegs nützt hier ein isoliertes Schönschreibtraining, sondern die mit der Schrift ausgedrückten Probleme erfordern genaue Analysen und individuelle Hilfen. Aber dazu muss man sich halt intensiv mit dem Schriftspracherwerb auseinandersetzen!

Beim Lesenlernen helfen keine Kernspinuntersuchungen

Statt Geld in den Anfangsunterricht zu investieren, damit alle Kinder einen gelungenen Zugang zur Schriftsprache bekommen, ist es für die Presse und wohl auch die Politik viel spannender, über teure exotische Experimente von Hirnforschern  zu berichten, um zu zeigen, dass auch indische Analphabetinnen lesen lernen können.Lesenlernen braucht keine Hirnscans und ist auch nicht mit visuellem Training zu lösen, wie die FAZ am 21.6.17 ihren Lesern anpreist (faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/studie-ueber-analphabetismus-hilft-visuelles-training-15068206) Die Tatsache, dass bei uns immer noch viel zu viele Menschen nicht erfolgreich lesen und schreiben lernen, liegt aber an der fehlenden Wertschätzung des schulischen Anfangsunterrichts und seiner finanziellen und zeitlichen Ausstattung. Und immer noch fehlen vielerorts “Lehrkräfte, die über die sprachwissenschaftlichen Grundlagen, methodisch-didaktisches Know-how und das notwendige Maß an Verständnis, Zeit, Geduld und Liebe für das einzelne Kind verfügen”.(Naegele 2017,S.52).

Kann ein Hirn-Scan LRS vor Schulbeginn anzeigen?

Das Team von Legakids und alphaPROF hat sich mit dieser Nachricht im folgenden Kommentar kritisch auseinandergesetzt, der man in den letzten Wochen in zahlreichen Presseportalen und Veröffentlichungen begegnet ist. Es wird behauptet: Ein Hirn-Scan kann eine Lese-Rechtschreib-Schwäche zeigen, schon bevor ein Kind überhaupt lesen und schreiben lernt? Was verbirgt sich dahinter? Und was sind die Konsequenzen?

Ergebnisse klassifizieren LRS/”Legasthenie” nicht als Krankheit

Die beteiligten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig beschreiben ihre Befunde als eine Variation der plastischen Ausformung des Gehirns, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen genetischen Hintergrund habe. Diese Variation könne in der Folge zur Manifestation von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten im Sinne einer “disorder” (also Schwäche oder Störung) beitragen.

Folgerungen aus den Ergebnissen

Die Forscher schlagen vor, alle Vorschulkinder einem MRT zu unterziehen, um so Kinder zu erkennen, die gefährdet seien. Damit, so meinen sie, könnten diese schon vor möglichen frustrierenden Erfahrungen in der Schulzeit gefördert und auf den Schuleintritt vorbereitet werden.

Gleichzeitig weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass ihre Ergebnisse allein LRS nicht erklären können, sondern nur in Ergänzung mit anderen Forschungsergebnissen sinnvoll seien. Um das Zustandekommen von LRS zu verstehen, müssten auch umgebende Variablen mit einfließen.

Kritische Überlegungen zum “Hirn-Scan”

Früherkennung klingt zunächst positiv, jedoch sollten auch mögliche negative Folgen einer solchen „Reihenuntersuchung“ berücksichtigt werden:

  • Das MRT des Gehirns ist eine aufwändige, belastende sowie kostenintensive Untersuchung.
  • Mit dem MRT würden nur bestimmte Kinder als “Risikokinder” erkannt. Andere Kinder, deren LRS nicht durch eine besondere Hirnstruktur bzw. -aktivität erklärt werden kann, könnten übersehen werden, da das Screening Eltern, Erzieher und Lehrkräfte in einer falschen Sicherheit wiegen würde.
  • Die Feststellung einer „abweichenden“ Hirnstruktur würde das Selbst- und Fremdbild der betroffenen Kinder negativ beeinflussen und könnte daher im Sinne einer „self-fulfilling prophecy“ wirken.

Fokus auf Bildungsstrukturen

Es stellt sich deshalb die Frage, ob Kosten und Aufwand für ein solches breit angelegtes medizinisches Screening sinnvoll sind.

Was könnten Maßnahmen sein, die wirklich allen Kindern nützen, die ein Risiko haben LRS zu entwickeln?

  • Kindergärten, in denen von gut ausgebildeten (und ebenso gut bezahlten) Erzieherinnen und Erziehern Sprachbewusstheit kompetent angebahnt wird.
  • Schulen, in denen Lehrkräfte mit solidem Wissen über die Hürden des Schriftspracherwerbs und die entsprechende Förderung arbeiten …
  • … und zwar in kleineren Klassen und – wo nötig – mit der Unterstützung spezialisierter Fachkräfte in der Schule.

Denn: Wie die Forscher auch selbst anmerken, reicht das Erkennen allein nicht aus. Aus der Praxis kennen wir zahlreiche Verläufe, in denen sich frustrierende Lernerfahrungen in einer generalisierten Misserfolgsorientierung verselbständigen. Dies führt zu Vermeidungsverhalten der Lernenden und behindert die betroffenen Kinder und Jugendlichen beim (richtigen) Lesen und Schreiben mindestens ebenso stark wie etwaige entwicklungsneurologische Besonderheiten, die Ursache der ersten frustrierenden Erfahrungen gewesen sein mögen.

Ergebnisse, Stichprobe und Aussagekraft bzw. -genauigkeit

Das Wissenschaftlerteam um Michael A. Skeide machte MRT-Aufnahmen der Gehirne von Kindern in den Klassen 4 bis 8 sowie von Kindern im Kindergarten bis Klasse 1. Sie entdeckten dabei, dass Kinder mit einer bestimmten Variante des Gens NRSN1 – einem Gen, das für die Entwicklung der Nervenzellen wichtig sei – strukturelle Unterschiede in einer Hirnregion aufwiesen, die als “Visual Word Form Area” (VWFA) bezeichnet werde. Dieser funktionale Bereich des Gehirns ist wahrscheinlich für das Erkennen bestimmter Objektformen wie auch von Buchstaben bzw. Wortbildern zuständig.

Die Stichprobe der Untersuchung war dabei mit 141 Kindern relativ klein, wie die Forscher selbst anmerken (vgl. Skeide et al., 2016). In der Gruppe der Vorschulkinder, die bis zum Ende der 1. Klasse begleitet wurden, befanden sich sogar nur 20 Kinder. Die “Trefferquote” der MRT-Untersuchung lag bei 75 %, d.h. es gab auch Kinder mit einer auffälligen Ausformung der untersuchten Gehirnareale, die am Ende der 1. Klasse keine LRS aufwiesen. Bzw. gibt es eben auch Kinder, deren MRT nicht die untersuchte Besonderheit aufweist, die dennoch LRS entwickeln.

Schlussbemerkung

Es ist immer wieder frustrierend zu erleben, welchen Anklang und Nachhall Meldungen aus dem medizinischen Bereich bzgl. LRS/Legasthenie erzeugen. Sie wirken in ihrer Schlichtheit auf Anhieb einleuchtend, erhellend oder sogar bahnbrechend. Dass sich daraus keinerlei Konsequenzen für die Förderung der betroffenen Kinder, ihre psychische Gesundheit und ihren Bildungsweg ergeben, wird selten deutlich.

Meldungen zu guten pädagogischen Fördermethoden oder zu längst überfälligen Verbesserungen im Bildungssystem wie etwa kleineren Klassen, besser ausgebildeten Lehrkräften und der Einbindung des Know-Hows außerschulischer Förderkräfte (deren Effektivität im übrigen seit Jahrzehnten durch zahlreiche Untersuchungen belegt ist), erzeugen dagegen keinerlei mediales Echo.

Leseschwäche ist kein genetischer, sondern gesellschaftlicher Defekt

Presseerklärung der LegaKIds-Stiftung zum Weltkindertag der Vereinten Nationen

– Wer nicht oder nur schlecht lesen kann, bleibt in unserer Gesellschaft vom Leben weitgehend ausgeschlossen. Alle Arten an Informationen werden schriftlich vermittelt – Wissen ebenso wie Unterhaltsames, die Inhaltsstoffe auf Lebensmittelverpackungen oder die Nebenwirkungen von Medikamenten auf Beipackzetteln. Deshalb ist es unumgänglich, dass Kinder, die sich mit dem Lesen und Schreiben schwer tun, gefördert werden. „Wenn aber Kinder, die sich mit dem Lesen schwerer tun als andere, durch die Diagnose „Legasthenie“ zu Patienten gemacht werden, verlieren sie ihr Recht auf Lesen“, sagt
Britta Büchner, Lerntherapeutin und Leiterin des Projektes LegaKids.net. Sie übt anlässlich des Weltkindertages Kritik am praktizierten klinisch-medizinischen Fokus.

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Gangsta Granny- jetzt auf Deutsch

Gangsta-GrannyWer hätte nicht gern eine Großmutter, die mit ihrem Enkel auf Juwelenjagd geht?  Vom englischen Bestsellerautor David Walliams und köstlich illustriert von Tony Ross (der von der kleinen Prinzessin) gibt es als Taschenbuch “Gangsta Granny”, das witzig, voller Plots, aber auch nachdenklich Generationenkonflikt, Zoff mit Eltern und selbst  den Tod thematisiert. Leserfreundlich gestaltet ist es für KInder und Jugendliche mit Grundkenntnissen in Englisch ein großes Vergnügen.

David Walliams: Gangsta Granny. Illustrated by Tony Ross. Harper Collins London 2012

Engl. Pfund 6.99, € 10,49

Deutsch: David Walliams: Gangsta-Oma, rowohlt rotfuchs 2016, € 14,99

Lerne und wiederhole! Material ab der 5. Klasse

Die 2. korrigierte Auflage ist 2016 bei BOD erschienen!

Material für Schülerinnen und Schüler ab 5. Klasse, herausgegeben von Ingrid M. Naegele und Marion Wagner, 2. Auflage 2016, für € 19,- im Buchhandel ISBN-Nr. 978-3792-0521-2

Zum Aufbau: Nach Einleitung, Arbeitsplan und Einstufungstests folgen zehn Einheiten à acht Seiten, deren Aufbau sich ähnelt: zwei Lesetexte zur Förderung der Lesekompetenz, Rechtschreibübungen zum Aufbau von mehr Sicherheit, Anregungen zum freien Schreiben und Textbearbeitung, grammatisches Wissen (Zeiten, Verben, Wortarten, Interpunktion, wörtliche Rede u.a.) sowie Lern- und Arbeitstechniken, unterstützt durch Sprüche von Konfuzius samt erprobten Verfahren (Arbeits-und Übungspläne, Abschreibstrategien, Entspannungstechniken, Kommentiertes Schreiben u.a.), dazu Wörterlisten (Häufigkeitswörter, Schreibwortschatz), Lösungen zur Selbstkontrolle und Informationen für Eltern, insgesamt 117 Seiten

Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS), häusliche, außerschulische und schulische Förderung bei LRS, Differenzierung im Deutschunterricht

Rezensionen:

 „Ich bin Helena, ich bin 13 Jahre alt.Ich habe eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Bei uns in der Schule gab es LRS-Förderung, dort habe ich teilgenommen. Wir haben mit viel Spaß unser Lesen und Schreiben verbessert. Wir haben mit dem Buch „Lerne und Wiederhole“ von Ingrid Naegele gearbeitet. Es war eine gute Hilfe. Denn es gab viele interessante Texte die man gut verstehen konnte und zum Überprüfen ob man den Text richtig verstanden hat gab es Fragen und Rechtschreibaufgaben. Ich finde den Fragebogen am Anfang sehr wichtig, denn dort konnte man herausfinden was deine Schwächen und Stärken sind.
Alle Übungen die ich gemacht habe, haben mir Spaß gemacht weil man die Aufgaben auch alleine erarbeiten kann ohne die Hilfe einer anderen Person. Ich finde dieses Buch gut für die, die LRS haben denn man lernt mit Spaß und man vergisst es nicht.“

Weitere Interessante Kundenrezensionen sind auf Amazon zu lesen.

 

 

 

Praxisbuch LRS

Erprobte-Foerderung-LRS

Neue Rezension zum Praxisbuch LRS
Deutsch differenziert 1/16
von Ada Sasse

In diesem außerordentlich fundierten und informativen Band hat Ingrid Naegele den aktuellen Stand der Fachdis­kussion zum Thema sowie die Essenz ihrer langjährigen professionellen Erfahrungen in die Form eines Lehrbuches gebracht, das sie selbst als „Praxisbuch“ bezeichnet. Gleichwohl leistet das Buch weitaus mehr als die Vermittlung fachdidaktisch gut begründeter und pädagogisch reflektierter Handlungsvorschläge zur Unterstützung von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwä­che (LRS). Die Autorin bestärkt Erwachsene darin, den Schriftspracherwerb von Kindern und Jugendlichen rational, sachangemessen und für alle Beteiligten motivierend zu gestalten. Mit den von ihr aufgezeigten Wegen der Unterstützung gilt: LRS kann überwunden werden. Deshalb ist das Buch allen Lehrkräften, die sich mit dem Schriftspracherwerb und seinen möglichen Erschwernissen befassen, mit allem Nachdruck zu empfehlen!
Ada Sasse

Rechtschreiben in der Diskussion

Rechtschreibung-in-der-Diskussion

Schriftspracherwerb und Rechtschreibunterricht
Hrsg. Erika Brinkmann
Bd. 140 Beiträge zur Reform der Grundschule
Frankfurt/M. Grundschulverband 2015

Erika Brinkmann hat es geschafft, in diesem Sammelband viele Fachleute mit ihren unterschiedlichen fachdidaktischen Positionen zum Schriftspracherwerb und Rechtschreibunterricht zu Wort kommen zu lassen, den Forschungsstand zu beleuchten und durch Erfahrungsberichte aus der Unterrichtspraxis ergänzen zu lassen.
Der Band ist aufwändig gestaltet und  mit  € 50,- auch recht teuer. Als Mitgliederband im Grundschulverband und in der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben  ist dem Band eine interessierte Leserschaft sicher.
Spannend- widersprüchlich- bereichernd- ein Muss für alle am Thema Interessierten!